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Künftigen Infektionskrankheiten schon einen Schritt voraus

Vertragsunterzeichnung Wilfried Posch
Rektor Gert Mayer (r.) hat Wilfried Posch (l.) mit 1. April 2026 zum Professor für Emerging Infectious Diseases berufen. (Foto: MUI/C. Simon)

Schon als Schüler wusste Wilfried Posch, dass er Wissenschafter werden will. Er studierte Molekularbiologie, fokussierte auf Wirt-Pathogen-Interaktionen und entwickelte während der Pandemie ein vielbeachtetes humanes 3D-Zellkulturmodell der Lunge. Nun hat ihn Rektor Gert Mayer zum Professor für Emerging Infectious Diseases berufen.

Privat ist Wilfried Posch ein begeisterter Skifahrer und Golfspieler. Er hat sogar bei österreichischen Mannschaftsmeisterschaften gespielt. Beruflich ist er genauso ehrgeizig: Vom Gymnasium in Wörgl, an dem sein Interesse für Infektionserreger erwachte bis zu seiner Berufung als Universitätsprofessor für Emerging Infectious Diseases am Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie am 1. April dieses Jahres.

Seit 2007 ist Wilfried Posch an der Medizinischen Universität Innsbruck tätig, mit Forschungsaufenthalten am University College London und an der Faculté de Médecine Pierre et Marie Curie in Paris. Bereits zuvor hat er für seine Diplomarbeit und für die Dissertation an der Medizin Uni geforscht. Der aus Wörgl stammende Wissenschafter hat Mikro- und Molekularbiologie studiert und sich 2018 in Immunologie habilitiert. „Wenn es damals schon den Master in Molekularer Medizin an der Medizin Uni gegeben hätte, dann hätte ich das studiert“, sagt er rückblickend. Heute unterrichtet Posch die Student:innen in diesem Lehrgang und leitet das Doktoratskolleg CONNECT. Außerdem bereitet er Medizinstudent:innen in den so genannten Scrub-ups auf die Famulatur vor. Vor seiner Berufung war Wilfried Posch assoziierter Professor und davor hatte er eine Laufbahnstelle inne.

Das Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie unter der Leitung von Cornelia Lass-Flörl verfolgt einen One Health-Ansatz, der die Gesundheit von Mensch und Tier mit der Umwelt betrachtet. „Die Abstände zwischen Krankheitsausbrüchen werden kürzer“, sagt Posch. Menschen greifen immer weiter in die Ökosysteme ein, und kommen so mit Tieren und ihren Erregern in Kontakt. „Nicht sofort, aber über die Jahre hinweg passiert es, dass ein Erreger vom Tier auf den Menschen überspringt. Solche Spillover-Ereignisse können anfangs häufig problematisch sein, weil Erreger auf einen neuen Wirt treffen, dessen Immunsystem noch nicht angepasst ist. Erst nach längerer Zeit ergibt sich dann eine Co-Evolution zwischen Wirt und Pathogen. Der Erreger und sein Wirt passen sich aneinander an und können koexistieren“, erklärt der neuberufene Professor. Sein wissenschaftliches Interesse dreht sich vor allem um die Interaktionen von Erregern mit den dendritschen Zellen des Immunsystems. „Immunologie ist sehr komplex. Deshalb gefällt mir das Fach so gut“, sagt er.

In seinem Laboralltag konzentriert er sich auf Infektionsimmunologie und Pandemic Preparedness: Posch möchte mit neuen methodischen Ansätzen (sog. New Approach Methodologies, NAMs) einen Beitrag leisten, dass Medizin, Wissenschaft und Gesellschaft bei neuerlichen Krankheitsausbrüchen gut vorbereitet sind. Dazu gehört unter anderem die Entwicklung von Organ-on-a-Chip-Modellen und 3D-Zellkulturmodellen. Sie erlauben ein schnelles Handeln, wenn ein neuer Erreger auftaucht: grundlagenwissenschaftlich um die Pathogen-Immunsystem-Interaktion zu untersuchen, personalisiert diagnostisch und translational, wenn es um Wirkstofftests, Antikörperantworten und so genanntes Drug Repurposing geht. Während der Corona-Pandemie etablierte er beispielsweise ein humanes 3D-Zellmodell für respiratorische Infektionen (Lunge/Mukosa) mit integrierten Immunzellen. „Humane, dreidimensionale Modellsysteme bieten neue Möglichkeiten, um Infektionen realitätsnäher zu untersuchen“, erklärt er. Denn für viele Erreger gebe es keine geeigneten Tiermodelle und die Ergebnisse aus Tierversuchen ließen sich nur eingeschränkt auf den Menschen übertragen. Auch aus diesem Grund verfolgt Posch konsequent das Ziel, tierversuchsfreie Forschung weiterzuentwickeln.

Momentan ist Wilfried Posch Direktor des Departments für Hygiene, Mikrobiologie und Virologie, Schriftführer der Professorenkurie und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI). Zehn Jahre lang hatte er sich außerdem im Betriebsrat der Medizinischen Universität Innsbruck engagiert.

Posch hat bereits zahlreiche Drittmittelprojekte eingeworben und einige wissenschaftliche Auszeichnungen erhalten, darunter den Dr. Otto Seibert-Preis, den Preis des Fürstentums Liechtenstein und den Prof.-Brandl-Preis – und die nächsten wissenschaftlichen Herausforderungen hat er schon im Blick.

(26. Mai 2026. Text: T. Mair, Foto: MUI/C. Simon)

Link:
Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie